BOESE

 

Was bleibt uns bei der Begegnung mit Fremden, wenn wir weder deren Lebensgeschichte kennen, noch auf die Hilfestellung bauen können, die uns der soziale und kulturelle Kontext bei der Begegnung liefert? Es bleibt uns nur das äußere Erscheinungsbild, um den Menschen innerhalb von wenigen Sekunden einzuordnen. Diese Äußerlichkeit ist das unmittelbare Kommunikationsmittel, das die Beziehung des einzelnen zu seiner Umwelt definiert und bestimmt. Aber es gibt keine uncodierte Wirklichkeit, unsere Wahrnehmung ist immer geprägt von unseren Erfahrungen, unsere Urteilsfähigkeit ist gesteuert durch unsere Vorurteile. Wie hat ein guter Mensch auszusehen, wie sieht ein böser Mensch aus? Oder andersherum gefragt – ist nicht jeder Mensch gut und böse?

 

Für diese Serie habe ich bewusst Menschen ausgesucht, die ich vorher nicht kannte. Denen ich begegnet bin und die ich für den Aspekt BOESE interessieren konnte. Das Posing wurde neutral gehalten, ohne Lächeln oder emotionale Mimik. Einfach ein Moment im Leben. Entstehungsjahr 2017/18.

 

Grenzen

 

Grenzen und Abgrenzungen in der Architektur. Sichtbare und unsichtbare Grenzen, die immer auch eine Nachbarschaft voneinander trennt. Zum einen die „Lichtgrenzen” – nicht haptisch, aber ebenso real. Die „Mauergrenze“ zwischen zwei benachbarten Wohnblöcken – eine am Ende nicht mehr sichtbare Grenze.

Und schließlich die Abgrenzung der Neubauten zum bisher bestehenden Wohnkomplex. Die Sichtbarkeit dieser Grenze ist abhängig vom Feingefühl des Architekten und der sozialen Kompetenz der Bauherren.

Entstehungsjahr seit 2017.

 

Stadtgeschichten – Tallin 2017

Zeit und Zeitlichkeit 

 

Es gibt verschiedene Formen von Nachbarschaft. Die räumliche, die soziokulturelle, die inhaltliche, aber auch die zeitliche Komponente, wie sie hier in diesen Blumenstillleben gezeigt wird.

Die Entwicklung von der Knospe zur üppig blühenden Blume hin zum leeren Stengel wird eingefangen in einem Motiv. Kein Zeitraffer, aber der Versuch, der parallelen Existenz von Leben und Vergänglichkeit, von Schönheit und Verfall eine Plattform zu geben. Der Anfang und das Ende. Eine untrennbare Nachbarschaft im Takt der Zeit. Verwoben zu einer Einheit, getragen von Harmonie und Ästhetik.

 

Die Aufnahmen schaffen es, die Betrachtung von Zeit und Zeitlichkeit in einem Bild zu vereinen. Transparente Übergänge erzeugen eine Uneindeutigkeit, die in der Gesamtheit keine Wehmut aufkommen lassen, sondern den Betrachter in einen poetischen Kontext führen.

 

Entstehungsjahr 2015

Stadtgeschichten – Prag 2015

Stadtgeschichten – Nürnberg

 

Fern von den üblichen Stadtabbildungen, die wir aus zahlreichen Bildbänden und Reiseführern kennen, zeigen diese Aufnahmen ungewöhnliche An- und Einsichten einer Stadt. Kleine Geschichten, die uns aufhorchen lassen – kurze Momente, die uns in Staunen versetzen.

 

mono:ich

 

Das Zuhause als Lebensmittelpunkt, als Hort unserer Persönlichkeit, aber auch das Symbol unserer sozialen und kulturellen Positionierung. Der moderne Wohnungsbau diktiert uns immer stärker eine Gleichförmigkeit, der wir Akzente der Individualität entgegensetzen. Gleich, aber doch nicht dasselbe.

Das Zusammenspiel mit dem Naturstillife schafft eine Analogie, die dem visuellen Gefühl gegenüber

der Architektur Ausdruck gibt ohne Worte.

 

Entstehungsjahr 2015

 

(und)endlich

 

Die großformatigen Fotografien beinhalten Bildmontagen und ähneln Werbeplakaten. Die Motive zeigen alltägliche Haushaltsgegenstände. Auf der einen Seite besteht dieser aus nachwachsenden unendlichen Rohstoffen, leicht zu recyceln und umweltschonend. Dem gegenüber steht sein Pendant, diesmal aus Kunststoff, gefertigt aus dem endlichen fossilen Rohstoff Erdöl, kaum zu entsorgen und eine dauerhafte Belastung für Umwelt und Natur. Dem Betrachter fällt die Unterscheidung schwer, auf den ersten Blick erscheinen beide gleich. Diese Irritation ist gewollt und bewusst hervorgerufen durch die identische Positionierung und den monotonen tapetenartigen Hintergrund. Es stellt sich die Frage: wenn die Unterschiede so marginal sind, warum wählen wir dann nicht immer die umweltschonende Alternative?

 

Die Aufnahmen sind im Zusammenhang mit dem BRITA Kunstpreis 2015 entstanden und waren mit den anderen Finalisten im Kunsthaus Wiesbaden in der Ausstellung zu sehen.

 

Eine Ortsbeschreibung – ungesehene Orte

 

Schaut man nach links und rechts findet man die Orte und Plätze jenseits der großen Straßen. Unentbehrlich und selbstverständlich, ehrlich, aber ohne eigenes Gesicht. Ungesehene Orte, die ihre melancholische und erwartungsvolle Ausstrahlung dann zum Vorschein bringen, wenn wir sie nicht brauchen. Ein Dornröschenschlaf der besonderen Art, eine Lautlosigkeit, die viel Platz für eigene Gedanken läßt. Es sind nur Minuten, dann ist es vorbei.

 

>Warten. Bald wird es kommen. Dauert nicht mehr lange. Nur noch ein paar Minuten. Kann es schön hören. Kann es schon fühlen. Schließe die Augen und höre es kommen. Es donnert. Öffne die Augen und sehe es kommen. Es ist hell. Schließe die Augen und atme noch mal durch. Es ist schnell. Atme tief ein und genieß diesen Augenblick. Es ist gleich zu spät.<

 

Entstehungsjahr 2013

 

Nachbarschaft  – Wohnen am Waldrand

 

Die unmittelbare Nachbarschaft des Waldes ist für den Stadtmenschen faszinierend und beängstigend zugleich. Der Blick aus dem Fenster auf eine grüne Wand, eine Schutzglocke, aber auch eine natürliche Blockade auf die Existenz dort draußen. Die fotografische Perspektive aus dem dunklen Wohnraum auf den grünen monotonen Wald spiegelt dieses bivalente Gefühl wieder. Es ist der Blick auf eine grüne undurchdringliche Nachbarschaft, beobachtend und erwartungsvoll. Der bewusste Verzicht auf künstliche Lichtquellen im Wohnraum schafft eine Distanz und betont die voyeuristische Atmosphäre im gleichen Maße. Vier der Arbeiten erhielten 2015 eine Auszeichnung im Europäischen Architekturfotografie-Preis archtitekturbild.

 

Langzeitprojekt: Was Menschen bewegt – for what they are used for

 

Ein fotografisches Thema, das mich schon seit längerer Zeit beschäftigt, in seiner Vielfältigkeit und Facettenreichtum. Diesmal sind es die „Besen” auf den Friedhöfen. Sie werden verwendet, um die Grabplatten und Steinumrandungen der Gräber sauber zu halten. Mit großem Vertrauen werden sie auf dem Friedhof deponiert, beinahe wie Skulpturen stehen sie in der Landschaft. Von Fremden benutzt, aber immer wieder an ihrem Ursprungsort zurückgelegt. Sie verändern ihr Aussehen im Laufe der Zeit und mit den Jahreszeiten. Und irgendwann sind sie Vergangenheit – aber es kommt immer wieder ein neuer... immer.

 

Reminiszenzen – was vom Wald noch übrig blieb

 

4-teilige Fotoserie zum Thema Wald|Raum des Evers-ReForest Landschafts- und Naturfotografie-Wettbewerbs 2011. Die vier Arbeiten wurden mit einer lobenswerten Erwähnung ausgezeichnet und im Bildband zum Wettbewerb veröffentlicht.

zur Erinnerung

 

Einer meiner frühen Serien von 2004 beschäftigt sich mit dem Arbeitsplatz der Menschen. Ermöglicht durch die unmittelbare Nähe zu den Braun Camerawerken enstand diese kleine Werkserie, analog, auf Polaroidmaterial 18x24 cm und mit der Fachkamera. Spuren einer Arbeitswelt nach Auflösung der Firma, der Rest einer jahrzentelangen Existenz.