Blick auf die Welt.

 

Die Serie besteht immer aus einem Bildpaar. Zum einen ein Menschenporträt, zum anderen dessen alltäglicher Blick auf die Welt „dort draußen“ – aus der Perspektive des Menschen, der an diesem Ort einen Großteil seines Lebens verbringt. Es ist ein Spiel mit den Distanzen und der persönlichen Perspektive. Die Welt IN der Person, mit all ihren Lebensspuren und die Welt DER Person selber – das kleine Universum durch ein Schlüsselloch betrachtet.

 

Der Künstler in seinem Atelier, die Therapeutin in ihrem „home office”, die Jungunternehmer in ihrem mobilen Start-up-Unternehmen, die Menschen hinter der Theke, an ihrer Werkbank, in ihrem Ladengeschäft. Wohin gehen wir, wie definiert sich unsere Welt.

 

Es gibt sie nicht, die uncodierte Wirklichkeit. Vor allem nicht in der Fotografie. Sie ist nur das Fenster im Fenster, in dem aber häufig etwas anderes geschieht als es der Blick freigibt. Daher kann eine Porträtaufnahme immer nur etwas Pseudo-Dokumentarisches sein, das Festhalten des Augenblicks, eine subjektive Interpretation von der anderen Person. Meine Fotografie soll als Denkanstoß dienen über den eigenen Tellerrand zu schauen und zu sehen, was es außerhalb des eigenen Universums noch gibt. Um vielleicht eine Spur von Empathie zu erschaffen, die das Miteinander erst möglich macht.

 

René Ritzenberger | Friseurmeister

Im Einklang mit der Natur arbeiten – sein Credo, das er jeden Tag in seinem Friseursalon lebt und praktiziert. Was und wer erwartet dich, wenn du durch die Tür trittst? Musik, dezentes Licht, Ruhe, einen guten Kaffee oder Tee, nette Gespräche, Entspannung – aber das Wichtigste zum Schluss. Du wirst den Salon mit einer Frisur verlassen, die dich schöner machen wird. Aber neben der Schneidekunst ist es vor allem die Natur, ihre Erhaltung und Schutz, die ihn umtreibt. Greenpeace Magazine und vor allem die Verwendung von nachhaltig produzierten Pflegeprodukten sind Ausdruck seines Engagements. „Alles, was wir in und auf unseren Körper geben, soll nährstoffreich und sicher sein.“ (Horst Rechelbacher)

 

Christian Rösner | Bildhauer

Laut Wikipedia „ein deutscher Bildhauer, der sich auf Tier- und Menschengestalten spezialisiert hat“. Es gibt ein Foto von ihm, das mich dazu geführt hat ihn als Künstler für die Porträtserie zu fotografieren. Es zeigt die leichte Berührung seiner Arbeit – einem überlebensgroßem Elch. Es zeigt für mich aber auch die Liebe zum Material und zu seinem „Geschöpf“. Holz, aber auch Bronze wird verarbeitet. Riesige Darstellungen wechseln sich ab mit Miniaturabbildungen. Was ist Fiktion – entsponnen den Windungen seiner Gedanken, was ist Realität – bewußtes erleben und verarbeiten. Ich bin kein Kunsthistoriker und kann keine schlauen Worte über seine künstlerische Arbeit niederschreiben. Aber ich kann die tiefe Verbundenheit von Künstler und Werk erkennen. Was mag in seinem Kopf vorgehen, wenn er die einzelnen Teile seiner Skulptur zu einer Einheit zusammenbringt? Wenn er unter Chirurgenlicht den Feinschliff seiner Figuren vornimmt?

 

Christian Keimel | Café Pforte

Die Pforte bezeichnet den Eingangs- und Gästebereich von einem Bauwerk oder Anwesen. Ein Pförtner nimmt teilweise Informations-, Betreuungs- und Empfangsaufgaben wahr. Aber wer möchte den Betreiber des Café Pforte als „Pförtner“ bezeichnen. Vielleicht beschreiben – er kümmert sich um das leibliche Wohl der Bewohner und Besucher Auf AEG. Früher als Fotograf in der Werbung tätig, heute als Koch und Gastronom. Das „alte” Leben wird von ihm nicht vermisst. Er sitzt an der Schaltzentrale des Geländes und sieht wer kommt und geht. Viele Künstler, ein buntes Volk, das man bei warmen Temperaturen im Außenbereich sitzen sehen kann und zu dem man sich gerne gesellt, um über das Leben zu philosophieren. Drinnen herrscht Stress, vor allem zur Mittagszeit. Die kleine Räumlichkeit erzählt von seinem Publikum und ist ein Anlaufpunkt für Kunsttreibende und Kunstkonsumenten. Die Scheiben sind beklebt mit aktuellen und abgelaufenen Kunstevents, die Ablage überfüllt. Aber es gibt immer ein nettes Gespräch und einen extrem guten Kaffee.

 

Helmut Edler | Samen Edler  

Helmut Edler in seinem kleinen Ladengeschäft hinterm Hauptmarkt, Samen Edler. Der über 70-jährige steht noch jeden Tag hinter der Theke und verkauft sein Sortiment. Von gebrauchten Gartengeräten über Shampoos für Hunde bis hin zu der Samenvielfalt, die einst sein Geschäft prägte. Heute im Überlebenskampf gegen Baumärkte, EU-Verordnungen und dem Discounter um die Ecke. Seine berufliche und menschliche Existenz muss er sich jeden Tag neu erkämpfen. Der Kunde geht vorbei, wundert sich über die niedergelassenen Tauben und scheucht sie hoch. Oder er betritt den Laden, wird großzügig und engagiert beraten und kauft eine Tüte Sonnenblumenkerne…

 

Thomas Bergner | Fotograf  

Thomas Bergner in seinem Atelier. Ein Fotograf und Künstler am Anfang seiner Karriere und mittendrin. Zwischen der fotografischen Arbeit, der Beteiligung an Ausstellungen und kreativer Gedankenfindung immer wieder das Angehen gegen Copyrigthverletzungen dritter an seinen Bildern und der notwendigen Selbstvermarktung.  „I spezialize in documentary photography, as well as portraiture and special projects / commissions. Please contact me for more informations.“

 

Tanja Albert | razz & rübe

Der Foodtruck mit Bio „Straßenessen“ – er begleitet mich seit einiger Zeit als willkommene gesunde, aber vor allem leckere Mittagspause. razz&rübe, in Start-up-Unternehmen, beflügelt durch den aktuellen Trend der Food Trucks. Doch was steckt hinter den mobilen Imbissen? Das Prinzip ist bei fast allen Food Trucks gleich: Es wird hochwertiges Essen zu vergleichsweise günstigen Preisen angeboten. Die aktuelle Position des Trucks kann man online erfahren. Firmanparkplätze, Wochenmärkte, Festivals und Straßenfeste. Immer neue Gesichter, aber auch viele Stammkunden, da sich die Verkaufsplätze wiederholen. Immer freundlich sein, skeptische Blicke und Fragen auf positive Art erwidern. Aber im Hinterkopf auch immer der Gedanke nach Umsatz, Einsatz und erzieltem Gewinn. Frauenpower, aber vor allem auch die Unterstützung durch die Familie ist gefragt und auch notwendig. Denn nirgendwo findet man größeres Engagement und Begeisterung für seine Ideen und Ideale.

 

Ralph Dipping | Fotoladen Dipping

Der Fotoladen – lange meine erste Anlaufstelle für Fotoequipment seit Beginn meines Studiums. Die Regale standen voll mit Papieren unterschiedlichster Gradationen, Entwickler, Fixierer, Rollfilme, Planfilme, aber auch Hintergrundsrollen, Baumwollhandschuhe und alles Große und Kleine was das Fotografenherz zur damaligen Zeit höher schlagen ließ. Man stand in dem kleinen Ladengeschäft und wußte gar nicht wohin man zuerst schauen sollte. Begeisterung pur. Doch die Zeiten haben sich geändert, auch die Zeiten der Fotografie. Heute sind es eher die digitalen Hilfsmittel, nach denen das Auge des Fotografen sucht. Und auch der Fotoladen hat sich verändert. Heute dominieren Minilab und Großdrucker die kleinen Räumlichkeiten. Die Regale sind fast leer. Doch das Herz schlägt noch, auch im digitalen Zeitalter. Auch wenn mich mein Weg immer weniger in den Fotoladen führt und er für den Nachwuchs häufig kein Begriff mehr ist. Für mich ist und bleibt er immer noch – Kult.

 

Sigrid Frank | Körper- und Energiearbeit

In ihrer Berufsbeschreibung steht „Arbeit mit inneren Bildern”. Aber es ist nicht nur das innere Bild des Klienten, es ist auch IHR inneres Bild, das bei ihrer Arbeit gefordert und gefördert wird. Sich auf Menschen einlassen, nicht nur mit den Händen, sondern vor allem mit dem Geist und der Seele. Das ist bei einer Therapeutin nicht vorauszusetzen, aber es schafft Nähe und Vertrauen. Kostet aber im Gegenzug Kraft und bedarf einer ausgeprägten inneren Balance. Das eigene Wissen immer hinterfragen und erweitern – in zahlreichen Lehrgängen und mit Hilfe von umfangreicher Fachliteratur. Nur so kann man einem solch intensiven Beruf in der Biodynamischen Körperpsychotherapie gerecht werden. Für mich ist es vor allem der hohe innere Anspruch, der mir bei ihr immer wieder entgegentritt und für den sich ihre Klienten glücklich schätzen können. „Spüren was ist. Mit den Händen, verbunden mit Geist und Seele, der Intuition folgend.“